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Jatropha pellets
 
Jatropha pellets
 
Umweltfreundliches Kochen und Förderung von Jatropha

Das nicht nachhaltige Abholzen von Wäldern zur Brennholz- und Holzkohleproduktion ist ein großes Problem in Tansania. Gebiete wie Njia Panda außerhalb Moshis waren vor 30 Jahren geschlossene Wälder und sind heute trockene Wüsten, auf denen kaum noch etwas angebaut werden kann.

94% der Bevölkerung in ländlichen Gegenden und 45% in städtischen Gebieten kochen mit Feuerholz und 5% in ländlichen Gebieten und 40% in städtischen Gebieten kochen mit Holzkohle. Beim Kochen  werden meist einfach drei Steine genommen, auf denen der Kochtopf steht und das Feuer in der Mitte ist. Dies ist sehr energie-uneffizient, da die meiste Wärmeenergie seitlich abstahlt und verloren geht.   

Aus diesem Grund starteten wir im Oktober 2011 unser Projekt, bei dem es um umweltfreundliches Kochen und die Förderung von Jatropha geht.

Jatropha ist ein Busch, der in tropischem und subtropischem Klima wächst. Aus den Samen des Jatropha-Busches kann Öl gepresst werden. Vor einigen Jahren gab es einen großen Hype um Jatropha und das Jatropha-Öl, das als Wunderpflanze auf dem Markt der Biotreibstoffe angesehen wurde. Der Pflanze wurde zugesprochen, dass sie sehr anspruchslos sei und auf trockenen und wenig fruchtbaren Geländen angebaut werden könne, die ansonsten kaum einen landwirtschaftlichen Ertragsnutzen zu bieten haben und es wurde gar prognostiziert, dass tropische Entwicklungsländer eine große Menge an Biotreibstoff für den Weltmarkt durch Jatropha produzieren können.

In vielen Ländern Afrikas, Südamerikas aber auch Indien wurden in großem Maßstab Jatropha-Plantagen angelegt. Die Ernüchterung kam etwa 3-4 Jahre später als die Büsche ausgewachsen waren und Samen trugen - nur diejenigen Pflanzen, die sehr viel Wasser bekamen hatten in ihren Samen einen Ölgehalt, der für die Ölgewinnung zu gebrauchen war. Aufwändige Bewässerungen hingegen macht den Anbau von Jatropha wenig ökologisch sinnvoll.

Ein erfolgsverprechendes Konzept ist es nun, dass kleine Farmer in Gebieten, die sowieso immer eine hohe Niederschlagsmenge haben die Jatropha-Büsche als Hecken und Einfriedungen pflanzen. Dabei wird keine Fläche verwendet, die für essbare Nutzpflanzen eingesetzt werden kann (mit denen die Bauern auch einen höheren und schnelleren Ertrag erzielen als mit Jatropha) sondern es kommt einfach ein Zusatzeinkommen für den Farmer hinzu durch den Verkauf der Samen seiner Hecke an die Ölmühle. Der Farmer kann die Samen zu jeder Jahreszeit ernten, was auch Einkommen in den Monaten bietet, in denen keine seiner anderen Früchte/Gemüse reif sind. Da weder die Blätter noch die Samen von Jatropha verzehrbar sind, bieten Jatropha-Hecken einen guten Schutz vor Tieren.

Das Haupterzeugnis der Pflanze ist das Jatropha-Öl, das in Dieselfahrzeugen, deren Motor leicht modifiziert wird eingesetzt werden kann. Dabei ist es besonders sinnvoll, dass dies auf dem lokalen Markt erfolgt, da der Transport des Öls auf weite Strecken die positive Umweltbilanz wieder zunichte macht. Noch besser ist die Umwandlung des reinen Pflanzenöls in Bio-Diesel. Die Anlagen dafür sind jedoch teuer und für eine Produktion kleiner Mengen Biodiesels nicht finanzierbar. Somit ist momentan die sinnvollste Einsatzmöglichkeit, wenn z.B. Farmer und Unternehmen auf lokaler Ebene ihre Maschinen mit Dieselmotoren für den Betrieb mit reinem Jatropha-Öl umrüsten. Da das Jatropha-Öl günstiger ist als konventionelles Diesel rechnet sich die Investition bei Vielbetrieb der Motoren innerhalb kurzer Zeit.

Ein Nebenprodukt der Jatropha-Ölgewinnung ist die Herstellung von Pellets und Briketts aus den Abfällen der Ölpressung. Diese werden mit Sägespänen und Reishülsen vermischt und gepresst. Es ist deutlich billiger, mit diesen Pellets und Briketts zu kochen als mit Holzkohle. Eine Durchschnittsfamilie im Stadtgebiet von Arusha oder Moshi gibt momentan etwa 45,000 Shilling pro Monat für Holzkohle und Feuerholz aus. Dieselbe Energieleistung zum Kochen steckt in einer Menge Pellets, die im Einkauf beim Hersteller 11,000 Shilling kostet. Dies dürfte das Hauptargument in der Akzeptanz des alternativen Brennmaterials gegenüber Holzkohle sein.

Unser Projekt besteht nun zum einen darin, dass NGOs wie Frauengruppen Pellets und Briketts in größerer Menge vom Hersteller kaufen und diese dann in kleinen Mengen gewinnbringend als einkommensgenerierende Maßnahme in ihren Communities weiterverkaufen. Für die ideale Verbrennung der Pellets sind spezielle Kocher erforderlich. Mittels unserer Volunteers und Praktikanten in den verschiedenen NGOs wollen wir die Frauen und Community-Bewohner im Umgang mit den Kochern und Pellets schulen und den Einsatz und Verkauf dieser umweltfreundlichen Kochmöglichkeit fördern.

Eine Aufgabe besteht darin, einen günstigeren und energieeffizienteren Kocher zu entwickeln, als das momentan auf dem Markt befindliche Modell. Obwohl sich die Investition des speziellen Kochers innerhalb von nur 2 Monaten durch die Ersparnisse beim Einsatz der Pellets armotisiert, stellt der momentan hoch erscheinende Preis des Pellets-Kochers (40000 Shilling) im Vergleich zu einem Standard-Holzkohlekocher (9000 Shilling) eine Barriere dar.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Einsatz von Jatropha-Öl für Dieselfahrzeuge zu fördern. Dabei wollen wir unseren Schwerpunkt auf die Tourismusindustrie mit ihren Flotten von Diesel-Safari-Fahrzeugen legen. Dazu muss die Technik der Umrüstung erklärt werden und Umrüst-Kits einfach vor Ort vorhanden sein. Erfolgversprechender als Fahrzeugbetreiber zum Umrüsten ihrer Fahrzeuge zu bringen ist sicherlich, gleich Biodiesel anzubieten, was die Umrüstung hinfällig machen würde, jedoch ist die dazu erforderliche Technik ohne Fördermittel kaum finanzierbar, bzw. die momentan produzierbare Menge an Jatropha-Biodiesel durch den Engpass an Jatropha-Samen zu gering, um einen dafür erforderlichen Massenmarkt erreichen zu können.

Eine dritte Aufgabe wäre somit, die Gesamtanbaumenge von Jatropha zu vergrößern, damit sowohl Jatropha-Biodiesel als auch Jatropha-Pellets/Briketts in größerem Umfang Verwendung finden können. Da die tieferen Lagen der Kilimanjaro-Hänge durch viele Quellen, Bäche und Regen fast ganzjährig sehr feucht sind, würde sich das Gebiet für den Anbau der Pflanze gut eignen. Unsere Arbeit besteht darin, Farmer zum Anpflanzen von Jatropha-Hecken zu überzeugen und ein System des Kaufs der Samen einzuführen.

Unser Mitarbeiter Themistocles Kweyamba ist Projektleiter dieses Vorhabens. Freiwillige/Praktikanten im Bereich Projektmanagement arbeiten zusammen mit unseren Partnern (NGOs in Moshi, bei denen wir meist weitere Freiwillige haben), dem Hersteller der Pellets/Briketts, des Öls und der Kocher, sowie externen Partnern (wie etwa Programmen, die Finanzierung über Carbon Offset Handel sicherstellen können), die oben erwähnten Ziele zu erreichen und zu optimieren.


Infobox:

Ort: Moshi, Tansania

Dauer: mind. 1 Monat

Kenntnisse erforderlich: passendes Studium oder Interesse

Kosten: keine; Sorgenfreipaket optional

Unterbringung: Nicht beinhaltet

Verpflegung: Nicht beinhaltet

Inklusive: Vermittlung; bei Abschluss des Sorgenfreipakets gesamter Leistungsumfang des Sorgenfreipakets

Nicht inklusive: Anreise nach Tansania, Krankenversicherung, Visum, Arbeitserlaubnis

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