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Kinderschutz in der Freiwilligenarbeit

 
kinderrechte
Freiwilligentätigkeiten und Praktika im Ausland, insbesondere solche, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, sind eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wir geben dir in diesem Text einige wichtige Hinweise und Tipps für deine Freiwilligentätigkeit oder dein Praktikum mit Kindern und Jugendlichen.
 

Achte auf ein professionelles Verhältnis von Nähe und Distanz!

 
Sieh dich als eine(n) professionelle(n) Erzieher(in) und nicht als ein Eltern-Ersatz! Natürlich ist es wichtig, dass du während deines Freiwilligeneinsatzes/Praktikums eine positive Beziehung zu den Kindern in deinem Projekt aufbaust und ihnen Zuwendung schenkst. Dabei ist es jedoch wichtig, dass du verantwortungsvoll mit Nähe und Distanz umgehst und keine zu engen Beziehung mit den Kindern eingehst. Ansonsten kann dies der Entwicklung des Kindes schaden, wenn das Kind dich als wichtige Referenzpersonen verliert, wenn du wieder abreist. Du bist während deiner limitierten Zeit in der Einrichtung ein(e) professionelle(r) Erzieher/in und kein Elternersatz! Für die Herstellung einer engen „emotionalen Bindung“ ist nämlich das permanente Personal der Einrichtung zuständig, d.h. Menschen, die eine stabile Rolle im Leben des Kindes spielen.
 
Dazu ein Beispiel:
 
Anne ist als Freiwillige für 5 Wochen in einem Waisenhaus tätig. Dort schließt sie ganz schnell ein zweijähriges Mädchen mit Down-Syndrom ins Herz. Anne kommt jeden Tag ins Waisenhaus und beschäftigt sich dort insbesondere mit dem Mädchen, indem sie ihr besonders viel Aufmerksamkeit schenkt, sie meist auf dem Arm hält und täglich für längere Zeit mit ihr spielt. Als eines Tages Besucher ins Waisenhaus kommen und „Annes“ Kind hochheben wollen, fängt das Mädchen an zu weinen und möchte stattdessen von Anne hochgenommen werden. Die anwesende Betreuerin im Waisenhaus meint lachend, dass das Mädchen in der kurzen Zeit schon ganz Annes Kind geworden sei. Anne findet das Verhalten des Mädchens süß und beschreibt, dass sie sich bezüglich des Mädchens fast wie dessen richtige Mutter fühle.
 
Anne hat während ihres Einsatzes in relativ kurzer Zeit ein sehr enges Verhältnis zu dem Mädchen im Waisenhaus aufgebaut. Mit Sicherheit verfolgt sie damit eine gute Absicht, denn sie möchte dem Mädchen die Zuneigung, Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die ihr aus Annes Sicht im Waisenhaus fehlt.
 
Anne hat jedoch dabei nicht darauf geachtet, eine „Erzieherische Grunddistanz“ zu dem Mädchen zu wahren. Zumindest für die Dauer ihres Freiwilligeneinsatzes betrachtet Anne das Mädchen als „ihr“ Kind und ist darum bemüht, die Rolle der primären Bezugsperson des Mädchens einzunehmen, indem sie sich während ihrer Anwesenheit im Waisenhaus fast ausschließlich demselben Kind widmet und eine sehr enge emotionale Beziehung zu dem Kind aufbaut. Wenn mit dem Ende des Einsatzes dann der unweigerliche Abschied bevorsteht (und solche Abschiede können sich wiederholen, wenn mehrere Freiwillige hintereinander sich ähnlich gegenüber dem Mädchen verhalten), kann dies für das Kind zu traumatischen Erlebnissen führen, wenn es wiederholt den Verlust einer wichtig gewordenen Bezugspersonen durchlebt.
 
Tipp: Wir achten bei der Auswahl unserer Einsätze darauf, dass es im Projekt gleichbleibende Bezugspersonen für die betreuten Kinder und Jugendlichen gibt. Du kannst uns aber auch gerne deine Rückmeldungen geben über die Beobachtungen, die du während deines Einsatz machst bezüglich des Verhältnisses zwischen den festen Mitarbeitern und den Kindern.


Es gibt keine „Lieblingskinder“ in der Freiwilligenarbeit!

 
Auch wenn du denkst, dass einige Kinder besonders „süß“ oder „niedlich“ sind,  behandle die Kinder in deiner Einsatzeinrichtung alle gleich!
 
Dazu ein Beispiel:
 
Line ist in einer Tagesbetreuungseinrichtung für Kinder von 3-6 Jahren tätig. Sie unterstützt die Erzieherinnen in der Errichtung, indem sie mit den Kindern singt, spielt, einfaches Englisch unterrichtet sowie Zähl- und Rechenaufgaben mit den Kindern durchführt. Der kleine Abdullah, eines der Kinder in der Einrichtung, ist Line dabei besonders ans Herz gewachsen. Während der Freispielzeiten nimmt Line Abdullah daher häufig hoch und spielt mit ihm; wenn es Streit gibt oder die Kinder lärmen, drückt Line bei Abdullah öfter ein Auge zu als bei anderen Kindern. Wenn er Line mit seinen niedlichen Kulleraugen ansehe, können sie ihm einfach nicht böse sein.
 
Line lässt sich in ihrem Verhalten stark von ihren persönlichen Gefühlen zu Abdullah leiten, den sie von den Kindern in der Einrichtung am „niedlichsten“ findet. Mit dem Problem der „Lieblingskinder“ sind übrigens nicht nur Freiwilligen und PraktikantInnen in Hilfsprojekten für Kinder und Jugendliche konfrontiert: Verschiedene Studien haben belegt, dass sogar Eltern und Lehrer ihre Kinder/Schüler UNBEWUSST unterschiedlich behandeln und das persönliche Sympathien oder Äußerlichkeiten dabei eine große Rolle spielen können.
 
Tipp: In der Arbeit mit Kindern, achte besonders auf dein eigenes Verhalten: Versuche, alle Kinder gleichberechtigt zu behandeln. Vermeide es, manche Kinder im Unterricht öfters drankommen zu lassen als andere oder häufiger mit einigen Kindern zu spielen, als mit anderen usw. Es sollte keine „Lieblingskinder“ geben. Lasse keinem Kind aufgrund persönlicher Sympathien ein bevorzugte Behandlung zukommen!
 

Suche dir Aufgaben und Aktivitäten, die alle Kinder einschließen!

 
Die BetreuerInnen in deiner Einrichtung können dir dabei helfen, Aufgaben und Aktivitäten zu finden, die alle Kinder einschließen und die nicht dazu beitragen, enge Beziehungen zu Einzelnen aufzubauen, wie dies in den beiden Beispielen von oben der Fall ist. Wenn den Kindern zugleich mitgeteilt wird, dass du als Freiwillige/r nur eine Zeit lang im Projekt zu Besuch bist und du dir deiner Rolle entsprechende Aufgaben suchst, wird dein Abschied auch weniger "schlimm" für die Kinder sein.
 
Als Freiwillige/r kannst du z.B. ein spezielles kleines „Projekt“ vorbereiten, d.h. spezielle Kurse anbieten (Tanz, Sport, Malen, Kunst, Singen etc.), dir besondere Spiele ausdenken oder mitbringen, spielerisch und interaktiv Englisch unterrichten oder entwicklungsförderliche Aktivitäten mit kleinen Kindern durchführen, darunter Körperübungen, Vorlesen, Singen mit Klatschen, usw. Deiner Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt! Kinder brauchen Beschäftigung, um zu verhindern, dass sie in ihrer Entwicklung durch das Fehlen von positiven und stimulierenden Faktoren eingeschränkt sind, z.B. wenn es zu wenig Personal in der Einrichtung gibt.
 
Tipp: Frag nach, welche Aufgaben du als Freiwillige in deinem Projekt bekommen wirst und bereite dich schon zu Hause entsprechend auf deine Aufgaben vor. Wenn du Unterstützung brauchst, kann dir deine Kontaktperson bei World Unite! Tipps und Infos zu Spielen, Methoden und Unterrichtsmaterialien zukommen lassen.
 

Respektiere die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen in deiner Einrichtung!

 
Auch Kinder haben Rechte! Dazu gehört das Persönlichkeitsrecht. Als Freiwillige/r oder Praktikant/in solltest du die Privats- und Intimsphäre der Kinder und Jugendlichen unbedingt bewahren! Dies umfasst besonders das Anfertigen von Fotos und Videos und deren Veröffentlichung.
 
Dazu ein Beispiel:
 
Seit Monaten freut sich Laura schon auf ihren Freiwilligeneinsatz in einem Kinderheim. Vor Ort möchte sie natürlich ihre Freunde und ihrer Familie zu Hause an all ihren Erfahrungen und Eindrücken teilhaben lassen. Aus diesem Grund teilt Laura häufig Fotos und kurze Videos von sich mit den Kindern in ihrer Einsatzstelle auf Facebook und Instagram.
 
Das so genannte „Recht am eigenen Bild“ besagt, dass jede Person grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob Fotos, Videos, Bilder etc. von ihr veröffentlicht werden dürfen. Kinder werden es dir selten untersagen, Fotos von ihnen zu machen - im Gegenteil, sie werden dich, wenn sie eine Kamera in deiner Hand sehen in der Regel sogar dazu auffordern, ein Foto von ihnen zu machen! Problematisch kann jedoch die Veröffentlichung der Bilder sein. Kinder sind nicht in der Lage, zu erkennen, welche Konsequenzen eine Veröffentlichung für sie haben könnte. Einmal im Internet, sind die Bilder dort für immer! Bitte mach dir Gedanken wie: Werden die Kinder später einmal diskrimiert, weil sie etwa von einem sozialen Projekt unterstützt werden und einen schwierigen Familienhintergrund haben? Weil sie auf eine Förderschule gehen? Im Zweifel sollte man lieber auf eine Veröffentlichung verzichten. Frag auch immer bei den Zuständigen der Einrichtung nach, ob es in Ordnung ist, dass du Fotos machst.
 
Tipp: Wenn du Fotos von Menschen in deiner Einrichtung oder in deinem Gastland machst, achte darauf, die Menschen auf würdevolle Weise zu präsentieren. Dazu gehört, dass du Motive vermeidest, die den Eindruck von Überlegenheit der entwickelten Welt über Menschen in sogenannten Entwicklungsländern erwecken, die lediglich Mitleid erregend sind oder dich als den "Retter" der Benachteiligten glorifizieren.
 

Nimm Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten in deinem Gastland

 
Meike ist für 8 Wochen als Freiwillige in einem Community Center in Indien tätig, in dem Sprachunterricht und weitere Bildungsangebote für Kinder aus sozial benachteiligten Familien angeboten werden. Meike soll den Kindern im Community-Center Englisch unterrichten. In ihrem Lehramtsstudium hat sie gelernt, dass Gruppenarbeit und interaktive Lehrmethoden am erfolgversprechendsten sind. Im Community Centre steht sie jedoch 120 Kindern gegenüber, die nur mäßig an Meikes Methoden interessiert sind und laut während des Unterrichts schreien und wild herumlaufen oder unaufgefordert das Klassenzimmer verlassen. Meike ist frustriert ist und entscheidet sich dazu, nur noch gelegentlich ins Community Center zu kommen. Die Kinder hätten ohnehin kein Interesse am Unterricht und würden ihr keine Dankbarkeit zeigen, findet Meike.
 
Als angehende Lehrerin hat Meike eine klare Vorstellung davon, wie "zeitgenössischer" Unterricht richtigerweise aussehen sollte. Doch was in Deutschland als Lehrmethode funktioniert, muss nicht unbedingt in einer Slum-Schule in Indien funktionieren. In vielen unserer Einsatzländer, darunter in Indien, gelten strenge Hierarchien zwischen einzelnen Gruppen, z.B. zwischen Jüngeren und Älteren, Lehrern und Schülern. Die Kinder im Community Center, die daran gewöhnt sind, eine strenge, autoritäre Person vor sich zu haben (was von Lehrern in Indien erwartet wird), bemerkten, dass Meike diese Autorität fehlt und dass sie keine Strafe zu erwarten hätten und entschieden darum, sich schlecht zu benehmen. Meike fühlt sich mit der Situation überfordert und ist unsicher, wie sie sich verhalten soll. Ein bestimmtes und konsequentes Auftreten hätte Meike dabei geholfen, Sicherheit im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen zu finden und ein vertrauensvolles Miteinander zu schaffen. Aus diesem Grund legen wir Aufwand in interkulturelle Vorbereitung, die du ernst nehmen solltest, um einen erfolgreichen Einsatz zu gewährleisten. Hier kannst du mehr darüber lesen. Sicher kann Meike eigene Ideen und Vorschläge einbringen. Sie könnte jedoch auch beobachten, wie MitarbeiterInnen vor Ort ihren Unterricht gestalten und sich Tipps und Vorschläge von ihnen einholen. Freiwillige die offen sind, lokale Vorgehensweisen und Methoden anzunehmen, werden in ihrer Einrichtung und bei den Kindern eher auf Unterstützung und Interesse stoßen, als wenn sie in wenigen Wochen alles auf ihre eigene Weise, „besser“ und „effektiver“ machen wollen.
 
Außerdem geht Meike ganz selbstverständlich davon aus, dass die Kinder in einem sogenannten Entwicklungsland ihr für ihren Einsatz Dankbarkeit zeigen sollten. Diese Haltung lässt sich auf postkoloniale Denkweisen zurückführen, mehr Infos dazu findest du hier.
 
Wenn sich beim Lesen dieses Textes Fragen zu deinem Einsatz aufgetan haben oder dazu, wie du dich am besten darauf vorbereiten kannst, wende dich bitte gerne jederzeit an uns! Mehrere unserer Mitarbeiter haben fachliche Qualifikationen aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik und stehen dir für Fragen zu deinem Projekt jederzeit gerne zur Verfügung!

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