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Psychiatrisches Krankenhaus Sansibar
Praktika und Freiwilligentätigkeiten für professionelle Fachkräfte und Studierende aus den Bereichen Psychiologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Sozialarbeit sind möglich im "Mental Hospital", der psychiatrischen Klinik in Sansibar.
Die Klinik verfügt über eine ambulante Station, die dreimal wöchentlich geöffnet ist und während dieser drei Tage jeweils von rund 100 Patienten besucht wird. Daneben gibt es eine geschlossene Station für Frauen. Hier wohnen derzeit 23 Frauen, die das Gelände der Klinik nicht verlassen dürfen. Für Männer gibt es zwei Stationen mit zusammen rund 60 Bewohnern, von denen die Mehrheit ebenso geschlossen untergebracht ist.
Auffällig ist, dass die Unterbringungszeit in der Klinik meist recht kurz ist - einige Tage bis wenige Wochen - und die Patienten dann entlassen werden, aber meist wiederkommen. Meist sind es Verwandte der Patienten, die die Hilfe des Mental Hospital suchen als letztes Mittel, wenn die Behandlung durch traditionelle Heiler oder Allgemeinmediziner keine Verbesserung des Zustands des Patienten bringt.
Ein weiterer Gebäudetrackt beherbergt einen Bereich für Arbeitstherapie/Ergotherapie, in dem die Patienten täglich zeichnen und malen sowie gelegentlich Gartenarbeit und Schreinerarbeiten durchführen.
Wenn Geld für Treibstoff vorhanden ist, fahren Mitarbeiter der Klinik auch in die Government Cottage Hospitals, die auf den gesamten Inseln Unguja und Pemba existieren sowie besuchen Patienten zuhause.
Psychologische und psychiotherapeutische Betreuung hat in einem Entwicklungsland wie Sansibar keinen besonders hohen Stellenwert und dementsprechend stehen sehr beschränkte Geldmittel zur Verfügung. Das Krankenhaus hat nur einen einzigen Psychiater eingestellt, zusätzlich gibt es jedoch regelmäßig Psychologen, Psychiater und Psychotherapeuten, die von der kubanischen Regierung im Rahmen eines sozialistischen Entwicklungs- und Austauschprogramms gesandt werden. Auch Fachkräfte aus anderen Ländern wie Norwegen und China sind regelmäßig in der Klinik.
Diese werden ausländischen Praktikanten zugeteilt und sie sind als qualifizierte Praktikumsbetreuer im Falle von Studienpraktika zuständig.
Alle weiteren Kräfte gibt es "psychiatric nurses", Pfleger und Sozialarbeiter. In Tansania gibt es weder Studienmöglichkeiten für Psychiater und Psychologen noch Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich, weswegen der Leiter der Einrichtung, Mr. Suleiman auf die Unterstützung von ausländischen Freiwilligen angewiesen ist, um einen zufriedenstellenden Standard der Betreuung/Behandlung sicherstellen zu können.
Besonders interessant, aber auch eine Herausforderung für Ausländer ist das Vorhandensein traditionellen Glaubens. Viele mentale Probleme werden mit der Besessenheit von Geistern, Verhextheit etc. erklärt und die traditionellen Heiler sind in der Regel die erste Anlaufstelle. Auch bei der Belegschaft des Hospitals sind solche Denkweisen präsent und es dürfte für ausländische Freiwillige und Praktikanten interessant sein zu sehen, wie sich solche Erklärungsmodelle mit heutigen westlichen Herangehensweisen verbinden lassen.
Einen Erfahrungsbericht von Kerstin, die 2010 ein Praktikum im psychiatrischen Krankenhaus machte, siehe unten.
Infobox:
Ort: Sansibar, Tansania
Dauer: ab 3 Wochen*
Besondere Erfahrung erforderlich: Studium oder abgeschlossene Fachkraft im psychiologischen oder psychiatrischen Bereich oder Sozialarbeit
Kosten: für Aufenthalte unter 90 Tagen: 250 € Sorgenfreipaket, zusätzlich 75 US$/Woche Beitrag direkt an die Klinik. Für Aufenthalte über 90 Tage: 500 € Sorgenfreipaket, kein Beitrag zu leisten an die Klinik.
Unterbringung: Nicht beinhaltet
Verpflegung: Nicht beinhaltet
Inklusive: Vermittlung sowie gesamter Leistungsumfang des Sorgenfreipaket
Nicht inklusive: Anreise nach Sansibar international Airport, Krankenversicherung, Visa, Arbeitserlaubnis.
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* Kürzere Einsätze sind als "Voluntourism Hopper" möglich.
Mein Aufenthalt im Mental Hospital Zanzibar
Ich war im Februar/März diesen Jahres sechs Wochen lang in Tansania und habe vier Wochen davon ein Praktikum im Mental Hospital Zanzibar gemacht.
Im folgenden Bericht möchte ich gerne einige Infos zu meinem Praktikum geben und einen Eindruck von den Erfahrungen vermitteln, die ich während dieser Zeit gemacht habe.
Das Mental Hospital Zanzibar hat seinen Standort ein Stück weit entfernt von dem Hauptklinikum der Insel. Sehr zentral gelegen, direkt gegenüber vom Stadtmarkt, befindet sich eine große und belebte Bushaltestelle, an der sämtliche Dalla-Dallas (kleine Busse, welche als Haupt-Fortbewegungsmittel auf der Insel fungieren) abfahren. Von dort aus fährt man mit einem der Dalla-Dallas ca fünf bis zehn Minuten zur Klinik.
Bei meiner ersten Fahrt dorthin ist Sula, die Koordinatorin von World Unite, mitgekommen und hat mich dem Direktor der Klinik, Mr. Suleiman, vorgestellt. Ich wurde dort sehr herzlich begrüßt und in einem längeren Gespräch mit den Gegebenheiten in der Klinik vertraut gemacht . Zum Beispiel wurde mir erklärt, wie viele Patienten stationär und ambulant in der Klinik aufgenommen sind, wie viele Mitarbeiter in der Klinik angestellt sind und wie die Aufgabengebiete dieser aussehen. Mr. Suleiman hat mir auch ans Herz gelegt, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann, wenn ich Fragen jeglicher Art oder irgendein Anliegen habe. Durch dieses Gespräch habe ich mich gleich zu Beginn gut aufgehoben gefühlt und war nun wahnsinnig gespannt, was auf mich zukommen würde.
Noch am selben Tag habe ich eine kubanische Psychiaterin kennengelernt, die zwei Jahre lang im Rahmen eines Entwicklungs- und Austauschprogramms der kubanischen Regierung dort arbeitet. Während meines Praktikums war diese Ärztin meine Ansprechpartnerin und ich konnte bei allen Gesprächen, die sie mit den Patienten geführt hat, dabei sein. Die kubanische Ärztin verkörperte eine sehr herzliche und aufgeschlossene Frau mit viel Erfahrung, die sie aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Psychiaterin und Psychotherapeutin in Kuba mitbrachte. Dies wurde bei den Gesprächen, die sie mit den Patienten geführt hat, besonders deutlich und hat mich sehr beeindruckt. Trotz der oft schwierigen Umstände, die eine Behandlung erster Wahl nicht immer zugelassen haben, ist sie sehr flexibel auf die Leiden der Patienten eingegangen und hat stets eine Lösung gefunden, wie sie ihnen z.B. trotz des Mangels bestimmter Medikamente zu helfen wusste.
Der Ablauf in der Klinik sah folgendermaßen aus. Innerhalb einer Woche war an drei Tagen die Ambulanz der Klinik geöffnet. An diesen Tagen kamen Patienten aus ganz Sansibar, um ein wöchentlich stattfindendes Gespräch zu führen und eine Behandlung zu erhalten. Meist erstreckten sich diese Gespräche mit den Patienten über mehrere Wochen. An den restlichen zwei Tagen in der Woche widmete sich die kubanische Ärztin den stationären Patienten. Im Rahmen einer Visite wurden Gespräche mit allen Patienten geführt, die stationär in der Klinik behandelt wurden. Die meisten dieser Patienten waren geschlossen in der Klinik untergebracht.
Bei den Konsultationen waren neben der Psychiaterin immer noch andere Mitarbeiter des Mental Hospital anwesend, meistens ein weiterer afrikanischer Arzt und mehrere sogenannte psychiatric nurses. Die Gesprächsführung hat die kubanische Ärztin auf Englisch übernommen. Wenn die Patienten kein oder nur sehr wenig Englisch sprechen konnten, was oft der Fall war, wurde von einer oder einem der afrikanischen Mitarbeiter das, was die Patienten sagten ins Englische übersetzt und das, was die kubanische Ärztin erwiderte auf Swahili an die Patienten weitergegeben. Da also alles auf Englisch gesprochen bzw. übersetzt wurde, konnte ich den Inhalten problemlos folgen.
Den Patienten wurde ich immer als Praktikantin vorgestellt, was ich auch als sehr wichtig empfand, dass offen dargelegt wird in welcher Funktion ich bei den Gesprächen dabei bin. Das wurde auch von alles Patienten akzeptiert und ich hatte nicht das Gefühl, dass dies für die Patienten als unangenehm empfunden wurde. Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass die Patienten eher froh waren, dass sie in der Klinik auf Menschen trafen, die sie ernst genommen haben trotz eines „psychischen Problems“, was in ihrer Kultur noch lange nicht so eine gesellschaftliche Akzeptanz gefunden hat, wie das in westlichen Kulturen meist der Fall ist.
Neben mir waren meistens noch ein bis zwei andere Praktikanten, Medizin- oder Psychologiestudenten, anwesend. Die Psychiaterin hat sich nach den einzelnen Gesprächen uns zugewandt, um bestimmte Symptome der jeweiligen Störungsbilder zu erklären und Zusammenhänge aufzuzeigen. Die psychiatrische Arbeit, also sowohl Diagnostik, wie auch Therapie, so hautnah mitzubekommen, war für mich sehr interessant. Meine Arbeit dort hat sich eher passiv gestaltet, da ich mich meist in der Rolle des „Beobachters“ befand.
Für mich persönlich war diese Art des Lernens sehr bereichernd, da ich durch das Zusehen der Arbeit der kubanischen Ärztin und der anderen Mitarbeiter und durch die anschließenden Gespräche sehr viel gelernt und mitgenommen habe. In den Unterhaltungen mit der kubanischen Ärztin wurden wir Praktikanten auch nach unserer Meinung zu einzelnen Diagnosen befragt und konnten somit unser Wissen miteinbringen . Teilweise habe auch ich mit den anderen Praktikanten kleinere praktische Aufgaben übernommen. Zum Beispiel habe ich mit einem Kind, das aufgrund von Lernschwierigkeiten in der Schule mit seiner Mutter die Klinik aufgesucht hatte, ein paar kleine Tests durchgeführt, die diverse Fähigkeiten des Kindes abgefragt haben. Dies wurde von der kubanischen Ärztin angeleitet und von mir dann ausgeführt.
Für ein vierwöchiges Praktikum hat die Durchführung für mich so perfekt gepasst. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es bei längerer Praktikumsdauer auch möglich ist mehr `praktisch` mit den Patienten zu arbeiten. Man darf nicht vergessen, dass ein immenser kultureller Unterschied vorliegt, der sich vor allem auch in therapeutischen Gesprächen widerspiegelt. Darum bin ich der Meinung, dass man selbst erst einiges über die Menschen, deren Glauben und Kultur lernen und erfahren muss, bevor man intensiver auf einer therapeutischen Ebene arbeiten kann. Anregungen und Ideen jeglicher Art, die ein Praktikant mitbringt, werden auf jeden Fall begrüßt und können mit dem nötigen Engagement mit Sicherheit auch viel bewirken.
Nun möchte ich noch etwas von den Krankheits- und Störungsbilder berichten, die bei den Patienten vorkamen. Die vorherrschenden psychiatrischen Störungen waren Alkohol- und Drogensucht und Psychosen. Daneben gab es auch einige Patienten, die aufgrund einer depressiven Symptomatik oder einer Angststörung in der Klinik waren. Viele Patienten leideten auch an neurologischen Störungen, wie zum Beispiel Epilepsie oder Migräne. Kinder kamen oft aufgrund von Lernschwierigkeiten. Patienten mit Essstörungen habe ich gar keine gesehen und mir wurde auch gesagt, dass es das dort überhaupt nicht gibt.
Die Patienten, die aufgrund einer Drogenproblematik behandelt wurden, wurden oft stationär und geschlossen für einige Wochen in der Klinik aufgenommen. Meist waren es junge Männer, die aufgrund von schlechten Zukunftsperspektiven einen Ausweg in den Drogen gesucht haben.
Psychotische Patienten mit einer Schizophrenie haben oft von Wahnvorstellungen erzählt, in denen sich der kulturelle Glaube widergespiegelt hat. Es wurde zum Beispiel von Geistern oder Ähnlichem berichtet. Es war sehr interessant zu sehen, wie sehr eine psychische Störung vom Glauben, den eine Kultur inne hat, gelenkt wird.
Da ich zu einer Zeit auf Zanzibar im Mental Hospital war, als bereits seit ca. zwei Monaten die Stromversorgung auf der Insel nicht funktionierte, kamen auch viele Menschen in die Klinik, weil sie unter großen Existenz- und Zukunftsängsten litten und daraufhin zum Beispiel depressive Symptome entwickelt haben. Für die Menschen auf Zanzibar war das vor allem auch wirtschaftlich gesehen eine sehr schwierige Zeit, was sich in Gesprächen mit vielen Patienten gezeigt hat.
Abschließend kann ich sagen, dass das Praktikum für mich eine wahnsinnig wertvolle Erfahrung war. Ich habe während meiner Zeit in der Klinik die Menschen dort und ihre Kultur besser kennen- und verstehen gelernt und hoffe, dass ich durch meine Anwesenheit und mein Interesse den Menschen eine Wertschätzung vermitteln konnte, die viele von ihnen in ihrer Kultur wahrscheinlich (noch) nicht so bekommen. Durch Kliniken wie das Mental Hospital auf Zanzibar und die tatkräftige Unterstützung von Fachkräften, wie der kubanischen Ärztin, und noch mehr Aufklärung über psychische Störungen in der Bevölkerung hoffe ich, dass in Zukunft Menschen, die ein psychisches Leiden haben, einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft haben werden.
Im Nachhinein hätte ich mir nur etwas mehr Zeit gewünscht. Ich kann auf jeden Fall jedem empfehlen, der sich für psychiatrische Arbeit interessiert und Menschen aus einer anderen Kultur unter diesem Aspekt kennenlernen möchte, ein Praktikum im Mental Hospital Zanzibar zu machen.
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