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Uzi Sea Turtle Conservation
 
Eretmochelys imbricata
 
Mangrove Area
 
Beach with 40 species of birds
 
Hawksbill Turtle
 
Unsere Pools im Korallenfels
 
Mangrove area
 
Aliy Abdurahim Aliy
 

Uzi Island Meeresschildkröten- und Umweltschutz

Auf der kleinen Insel Uzi im Süden von Sansibars Hauptinsel Unguja starteten wir im Februar 2011 das Meeresschildkrötenschutzprojekt „Uzi Sea Turtle Conservation“.

Die urspüngliche Idee bestand darin, eine Lagune auf Uzi Island umzugestalten, in der Jungtiere der kritisch vom Aussterben bedrohten Pazifischen Karettschildkröte aufgezogen werden können. Die ausgewachsenen Tiere sollten dann wieder ins Meer ausgesetzt werden. Die Vorstellung war, dass dadurch mehr Tiere ein fortpflanzungsfähiges Alter erreichen und wir einen Beitrag zum Arterhalt leisten können. Das Projekt sollte sich durch Öko- und Kulturtourismus auf Uzi Island tragen.

Diese Lagune ist nun fertiggestellt. Auf dem ungefähr 2500 m2 große Gelände gibt es mehrere natürliche „Pools“ aus Korallenfels, die miteinander verbunden sind und die während Flut mit Wasser volllaufen. Ein von uns gebautes Schleusensystem erlaubt es jetzt, die Wasserstände während Ebbe zu regulieren, sodass darin Meeresschildkröten gehalten werden können.

Aufgrund der Ergebnisse unserer Befragung der Einwohner von Uzi sowie weiterführender Recherche wurde der Umfang unseres Projekts inzwischen jedoch deutlich ausgeweitet. Unsere Feldforschung zeigte, dass die Uzianer jede ausgewachsene Schildkröte, die ihnen zu Gesicht kommt töten. Die Gründe dafür sind a) dass sie diese essen wollen b) vorbeugend, damit die Schildkröte nicht Fische isst, die die Menschen selber essen wollen oder damit die Schildkröte nicht die Netze der Fischer beschädigt, c) um den Panzer als Dekoration aufzuhängen, oder d) „zum Spaß“. Da es uns nicht möglich ist (und dies auch nicht unser Ziel sein sollte), sämtliche Schildkröten der Menai Bay in Gefangenschaft zu halten, ist zum langfristigen Erhalt der Schildkröten und der gesamten Menai Bay eine grundlegende Verhaltensänderung der Bewohner notwendig.

Diese verhalten sich im Allgemeinen sehr zerstörerisch gegenüber ihrem Lebensraum, der Menai Bay. Die Bucht ist ein wichtiges Ökosystem mit Mangrovenwäldern, Seegrasbetten, Inseln mit Süßwasserwald, Korallenriffen und einer großen Artenvielfalt von Pflanzen, Land- und Wassertieren inkl. Delphine, Seeadler und Meeresschildkröten, und war eine der wichtigsten Fischgründe von Sansibar. Seit Jahrtausenden nahmen die Küstenbewohner aus der Natur, was sie zum Leben brauchten ohne signifikante Schäden. Besonders aufgrund des starken Bevölkerungswachstums wurden die nachhaltigen Praktiken jedoch seit etwa den 1960er Jahren weitgehend verworfen. Armut treibt die Küstenbevölkerung seitdem dazu, zerstörerische Praktiken anzuwenden. Dazu gehören Dynamitfischen, Einsatz feinmaschiger Fischernetze, Schleppnetze, die über Korallen gezogen werden, Überfischung, Sammeln von Rifforganismen für den Souvenirhandel, Einsatz lebendiger Korallen als Baumaterial, schädliche landwirtschaftliche Praktiken in Küstennähe, Abholzung der Mangroven sowie Umweltverschmutzung (Müll, Abwasser). Seitdem die Menai Bay 1997 durch Initiative des WWF zum Schutzgebiet erklärt wurde sind die destruktiven Praktiken verboten, dennoch werden sie weiterhin durchgeführt, da die Menschen keine Alternative für sich sehen, als das Maximale der Natur zu entnehmen, was sie bekommen können.

Aus diesem Grund haben wir unsere Schwerpunkte jetzt auf zwei Bereiche gesetzt – erstens, Umwelterziehung, die das Ziel hat, Verständnis für die Notwendigkeit des Naturschutzes zu gewinnen, zweitens alternative, nicht-zerstörerische Möglichkeiten der Einkommensgenerierung für die Menschen zu schaffen.

Im Bereich der Umwelterziehung dient die neue Meeresschildkrötenstation als Bildungsplattform. Neben Touristen, durch deren Geld sich das Projekt tragen soll, sollen dort auch Schulklassen aus der Nachbarschaft sowie Anwohner etwas Lernen über die verschiedenen Küstenlebensräume und über die Notwendigkeit des Arterhalts (Beziehung zwischen Mensch und Natur).  Wir sind auch dabei, einen „Environmental Club“ an der Schule von Uzi zu etablieren und über unsere Volunteers im Kindergarten und in der Schule von Uzi Umweltschutzthemen zu kommunizieren.

Die Ausarbeitung von Inhalten und das Kommunizieren dieser Inhalte bei unserer Schutzstation sowie in Schule und Kindergarten (in Zusammenarbeit mit unseren Freiwilligen bei diesen Einrichtungen) ist eine Aufgabe für Freiwillige in diesem Bereich.

Von vermutlich höchster Wichtigkeit für den nachhaltigen Naturschutz auf Uzi ist es, nicht auf Kosten der Umwelt gehende Möglichkeiten zu schaffen, die Menschen Einkommen und Ernährung sichern. Unsere Forschung zeigt, dass nur eine Minderheit der Anwohner es gezielt auf die Schildkröten als Delikatesse abgesehen hat, und die Mehrheit einfach nur isst, was auf den Teller bzw. ins Netz kommt. Wenn sie mehr Geld und alternative Nahrung hätten, würden sie nicht unbedingt Schildkröten essen und auch sonst weniger zerstörerisch mit ihrem Lebensraum umgehen.

Die zwei Bereiche, auf die wir uns in Bezug auf Schaffung alternativer Einkommensmöglichkeiten konzentrieren sind Öko-/Kulturtourismus sowie Landwirtschaft und Fertigung.

Im Bereich der Öko-/Kulturtourismus planen wir schnellstmöglich in größerem Umfang als bisher Touren für Tagesbesucher durchzuführen, bei denen auf einem Ochenkarrend reitend das Dorf Uzi (inkl. Besuch des Kindergartens, der medizinischen Station, eines typischen Hauses mit Mittagessen), eine Seegrasplantage sowie die Schildkrötenschutzstation besucht werden. Dies bietet einen Job für etwa 12-15 Personen aus Uzi. Außerdem soll ein zu definierender Anteil der Gewinne direkt für Community-Entwicklung eingesetzt werden, sodass alle Uzianer vom Tourismus profitieren. Dazu soll der Sheha (Dorfvorsteher) im Februar jeden Jahres den Bedarf für das Jahr definieren, etwa Verbesserung der medizinischen Station, Verbesserung der Grundschule, Dorfbrunnen etc., sodass wir mit den Reiseveranstaltern auf der ITB das zu fördernde Projekt für das jeweilige Jahr abstimmen können.

Damit die Schildkrötenschutzstation eine starke Attraktion ist und Grund für Touristen, nach Uzi zu kommen, soll es dort neben den Schildkröten auch eine Vogelbeobachtungsplattform geben sowie eine Mangroven- und Strandzone, bei der die dort lebendigen Organismen gezeigt werden. Am Strand neben der Meeresschildkrötenschutzstation leben etwa 40 verschiedene Arten von Vögeln. Diese könnte auch Betreiber von Segeltouren in der Menai Bay anziehen, einen Stop bei der Schildkrötenstation in ihren Trip zu integrieren.

Hier Skizze der Lagune mit thematischen Zonen ansehen (PDF, 512 kb).

Mehr zum Thema Tourismusentwicklung auf Uzi.

Sobald unsere einkommensgenerierenden Projekte aus dem Bereich Landwirtschaft & Fertigung (siehe unten) realisiert sind, können diese sich auch als spannende Besichtigungen mit Potential für Touristen zum Ausprobieren und Selbermachen mit eingebaut werden.

Wichtig ist, dass die Tourismusentwicklung auf Uzi sehr vorsichtig und gut geplant durchgeführt wrd, da die Uzianer konservative Muslime sind und sich Verhalten von Touristen, das ihren Wertvorstellungen widerspricht, schnell eine ablehnende Haltung gegenüber Tourismus im Allgemeinen hervorrufen kann. 

Im Bereich der Landwirtschaft & Fertigung untersuchen wir die Möglichkeit einer Fischfarm. Dort können nicht nur Arbeitsplätze geschaffen werden, sondern das Vorhandensein von mehr Fisch könnte einige Uzianer davon abhalten, Schildkröten zu essen oder zerstörerische Fischereimethoden einzusetzen.

Auch planen wir eine Erweiterung unseres Projektes am Kilimanjaro mit Pellets auf Uzi. Der Anbau von Jatropha ist in Sansibar weniger sinnvoll, aber Pellets könnten in Uzi aus anderer Biomasse für den Verkauf in Zanzibar Town hergestellt werden.

Seegras ist momentan das wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis aus Uzi. Dabei wird das Seegras unverarbeitet weiterverkauft. Es gibt viel Entwicklungspotential für Produkte aus Seegras wie Kosmetik, Baumaterialien, Düngemittel, die zu untersuchen sind, wofür wir mit der Uzi Seaweed Farmer Association zusammenarbeiten.

Im Bereich Farming besteht auf Sansibar im Allgemeinen das Problem, dass alle Landwirte stark saisonal abhängig dieselben Erzeugnisse produzieren und dadurch geringe Margen erzielen. Ungenutze Chancen ergeben sich in der Konservierung der Erzeugnisse sowie in der Produktion von Nischenerzeugnissen. So hat etwa die Hotellerie auf Sansibar Bedarf an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht den Ernähungsweisen der einheimischen Bevölkerung entsprechend und die darum in zu geringem Maßstab vor Ort produziert werden, z.B. Tomaten, Pilze, Meeresfrüchte, Geflügel. Auch für den Export bieten sich Möglichkeiten wie Naturschwämme. Uzi ist eine fruchtbare Insel, die sich für Landwirtschaft eignet.

In allen hier augeführten Bereichen der Landwirtschaft/Produktion können Freiwillige und Praktikanten Aufbauarbeit leisten, also Informationen recherchieren, die Machbarkeit planen sowie diese zusammen mit den Leuten von Uzi, weiteren Praktikanten und Freiwilligen sowie unseren Projektleitern umsetzen. 

Hintergrundinformation Meeresschildkröten

Die Pazifische Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata bissa) ist kritisch vom Aussterben bedroht und steht durch das Washingtoner Artenschutzabkommen unter internationalem Schutz. Forschung der Marine Turtle Specialist Group (MTSG) zeigt, dass sich die Gesamtpopulation dieser Schildkröten von 1986 bis 1996 um 80% reduziert hat. Seitdem die Gattung im Jahre 1996 als „kritisch vom Aussterben bedroht“ klassifiziert wurde (was nur eine Stufe vor „In freier Wildbahn ausgestorben“ liegt) und viele Länder den Handel der Schildkröten und Schildkrötenerzeugnisse untersagt haben, hat sich die Zahl nicht nicht merklich weiter verringert, aber auch nicht erholt.

Auch die beiden anderen in Sansibar lebenden Meeresschildkröten, die Grüne Meeresschildkröte und die Unechte Karettschildkröte sind vom Aussterben bedroht und werden von uns ebenso mit einbezogen.Aufgrund ihres langen Lebens, das ein langsames Wachstum und lange Zeit bis zur Geschlechtsreife mit sich führt, gestaltet es sich als schwierig, die Gesamtzahl der Schildkröten zu erhöhen. Viele Tiere erreichen nicht das reproduktionsfähige Alter. 

Projektleiter & Partner

Leiter des Projekts sind Aliy Abdurahim Aliy, ein Biologe, der selbst aus Uzi stammt sowie Tim Woolven aus England, ein Umweltmanager und Geograph.

Aliy hat auf Sansibar schon viele Naturschutzprojekte geleitet, wie etwa für das ReCoMaP-Programm (Regional Coastal Management Plan), für das sansibarische Ministerium für Forstwirtschaft, die Zanzibar Zoological Society (ZAZOSO) und die Society for Natural Resources Conservation and Development (SONARECOD).

Tim hat einen BA (Hons) in Environmental Management and Geography und vollendet gerade seinen MSc in Conservation and Protected Area Mangement. Er arbeitete 5 Jahre für die Stadtverwaltung von London im Bereich Umwelterziehung.

Beide können auch als Betreuer von Abschlussarbeiten tätig sein.

World Unite finanziert große Teile der Umbauarbeiten dieser Programme. Zudem sind wir sehr dankbar, dass Chamäleon Reisen aus Berlin sowie das Hotel Pembalodge das Projekt finanziell unterstützten.

Zur Fortführung unserer Vorhaben suchen wir nach weiteren Partnern und Sponsoren.

Aktuelle Fotos der Umbauarbeiten der Lagune gibt es auf unserer Facebook-Seite.

Unser Projekt wurde kurz gezeigt im "ARD Ratgeber Reise" am 28.8.2011. Hier kannst Du es ansehen:

ARD Ratgeber Reise - Sansibar, nachhaltiger Tourismus vor der Küste Ostafrikas

Ausführlicher wurde das Projekt in der Dokumentation "Sansibar - Gewürze, Geister und Genossen" von 3sat am 1.1.2012 gezeigt. Die Dreharbeiten fanden im August 2011 statt.

BA-Arbeit, die unser Teilnehmer Timo auf Uzi angefertigt hat zum Thema: “Klimawandel und dessen Wahrnehmung im ländlichen Raum Sansibars” (PDF, 2 MB)


Infobox:

Ort: Uzi/Sansibar, Tanzania

Dauer: mind. 1 Monat

Kenntnisse erforderlich: passendes Studium oder Interesse

Kosten: keine; Sorgenfreipaket optional

Unterbringung: Nicht beinhaltet

Verpflegung: Nicht beinhaltet

Inklusive: Vermittlung; bei Abschluss des Sorgenfreipakets gesamter Leistungsumfang des Sorgenfreipakets

Nicht inklusive: Anreise nach Tansania, Krankenversicherung, Visum, Arbeitserlaubnis

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