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Subsahara-Flüchtlinge in Marokko
„Chabaka“ ist ein Netzwerk von Organisationen im Norden Marokkos. Mehrere Organisationen unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche sind hierbei zusammengeschlossen. Ihre Arbeit beinhaltet Bereiche wie Menschenrechte, Bürgerrechte, Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Frauen, Kultur, ländliche Entwicklung und Ökologie. Das Netzwerk hat eine starke Präsenz in den Städten Tetouán, Tanger, Larache und Alhucemas.
Die Organisationen schlossen sich zu einem Netzwerk zusammen, um gemeinsam Ressourcen nutzen zu können und Synergieeffekte zu haben. Kommunikation, Kooperation und Austausch sollen die Effizienz der teilnehmenden Organisationen erhöhen, auch in Zusammenarbeit mit Organisationen aus Südspanien.
Dazu werden Treffen, Kongresse, Konferenzen, Protest-Aktionen, Solidaritätsbekundungen, Sitzstreiks, Demonstrationen, Workshops und Projekte durchgeführt.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Problem der Migration von Subsahara-Afrikanern Richtung Europa, für die Marokko das wichtigste Transitland darstellt. Die Migranten versuchen, per Boot von Marokko nach Spanien zu gelangen, Experten schätzen, dass es jedes Jahr 120.000 Menschen versuchen, auf verschiedenen Routen nach Europa zu gelangen, dabei sterben viele auf dem Weg, etwa in der Sahara oder im Mittelmeer. Alleine in Marokko werden jährlich rund 100.000 Illegale abgefangen und von den Behörden festgenommen. Chabaka setzt sich für humane Lebensumstände der illegalen Subsaharis ein.
Die Aktivitäten, in die sich Freiwillige einbringen können beinhalten:
* Sammeln von Daten und Fakten in Feldarbeit mit subsaharischen Flüchlingen, dabei sind gute Kenntnisse von Französisch oder Englisch erforderlich
* Verfassen von Reports und Texten, Zusammenarbeit mit ausländischen Organisationen
* Teilnahme an Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen zum Thema subsaharische Flüchtlinge, sowie Austausch mit Nichtregierungsorganisationen aus Südspanien zu diesem Thema
* Teilnahme an Aktivitäten, die regionale Probleme betreffen (nicht in Zusammenhang mit Flüchtlingen)
* Sich einbringen in Ausbildungs-Workshops (Fortbilder-Fortbildung, Projektentwicklung, Fortbildung in einem beliebigen Thema, das Du einbringen kannst)
* Umsetzung von Webseiten für die im Netzwerk teilnehmenden Organisationen
Weitere Informationen:
* Siehe unten, Artikel/Berichte von unseren Teilnehmern
* Siehe unten, Linksammlung
* Video, in dem zwei unserer Teilnehmerinnen sowie Boubkher, der Leiter von Chabaka über die Organisation sprechen
Infobox:
Ort: Tanger und andere Orte in Marokko. Die meisten Teilnehmer sind hauptsächlich in Tanger und reisen während Ihres Aufenthalts zwischenzeitlich nach Oujda, an der algerischen Grenze.
Dauer: ab 4 Wochen*
Besondere Erfahrung
erforderlich: nein
Kosten: keine, Abschluss des Sorgenfreipakets
optional
Unterbringung: Nicht beinhaltet
Verpflegung: Nicht beinhaltet
Inklusive: Vermittlung von Projekt & Ansprechpartner;
bei Abschluß des Sorgenfreipakets gesamter Leistungsumfang des Sorgenfreipakets
inklusive
Nicht inklusive: Anreise nach Marokko,
Krankenversicherung
Jetzt
direkt anmelden/Interesse bekunden
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*Diese Tätigkeit ist auch als 2-3 Wochen "Voluntourism-Hopping"
Dis Situation der Migranten in Marokko (von Ursula)
Sie sind von weit her. Sie haben ihre Heimatländer verlassen, da sie dort keine Zukunft haben. Sie haben die Sahara zu Fuß oder in Lastwagen durchquert, Grenzkontrollen bestochen, sind mehrere Male zurückgeschickt worden, haben schlimmen Hunger, Durst und Krankheiten durchlitten; eine unbekannte Zahl von Menschen hat es noch nicht einmal bis dahin geschafft. Nun sind sie hier, im Norden Marokkos, nur einen Steinwurf von ihrem Ziel entfernt: Spanien, Europa, das gepriesene Land. Und sie sitzen fest. Es war leichter, die tausend über tausend Kilometer von ihrer Heimat zurückzulegen – Nigeria, Kamerun, Sierra Leone, Mali – als diese letzten 14 km zur spanischen Küste zu schaffen. Einige von ihnen sind sogar bereits einige Jahre hier – ohne offiziellen Pass, ohne legalen Bürgerstatus, ohne die Möglichkeit, Arbeit zu finden, ihre Kinder zur Schule zu schicken, einen anständigen Platz zum Leben zu finden.
Die Lebenssituation der Migranten aus den Subsahara-Ländern ist mit Sicherheit nichts, worüber man eine Urlaubskarte nach Hause schreiben würde. Sie leben zusammengequetscht in kleinen Zimmern, die ihnen von Marokkanern überlassen worden sind. In vielen Fällen sind diese Zimmer nicht viel größer als winzige Kleiderkammern, von einem halben Dutzend Menschen geteilt, mit Matratzen auf dem Boden, einem Gaskocher als Küche, ohne Fenster oder jegliches Tageslicht.
Ich besuche Jordan und seine Familie in ihrem Zuhause. Sie haben es gut erwischt, im Gegensatz zu vielen anderen. Sie haben zwei fensterlose Räume und eine Küche für sich. Ein Badezimmer ist auf dem Flur. 140 Euro bedeutet das pro Monat. Um dies bezahlen zu können, muss die ganze Familie (Jordan, seine Frau Ella, ein Neugeborenes und ihr Sohn John, der 4 Jahre alt ist) jeden Tag betteln gehen – und das den gesamten Tag, um leben zu können. Jordan und Ella sind aus Nigeria und kamen vor ca. zehn Jahren nach Tanger. Seitdem wurde Jordan 20 (!) mal von der marokkanischen Polizei gefangen genommen und zur algerischen Grenze abgeschoben, Ella etwa acht mal. Aufgrund des Kindes ist sie sicherer als ihr Mann – die Polizei hält davon ab, sie in Gewahrsam zu nehmen oder abzuschieben. Jedes Mal kommen sie zurück nach Tanger – zu Fuß! Denn hier ist ihr Traum am nächsten: endlich die letzten 14 km über die Straße von Gibraltar zu schaffen. Und sie zweifeln nicht daran, dies eines Tages zu erreichen: „Was mich anbelangt”, sagt Jordan, „so ist das die einzige Option, die ich habe. Marokko gibt uns keine Chance”.
Jordan ist 33 Jahre, gebildet, offen. Er hat in Nigeria Betriebswirtschaftslehre studiert, spricht fünf Sprachen. Seine positive Art ist inspirierend: zehn Jahre lang von der Hand in den Mund gelebt, unter höchst deprimierenden Verhältnissen, doch sein Geist ist nicht gebrochen. Geschätzte 1000 Subsahara-Flüchtlinge leben in und um Tanger. Nicht alle haben eine Unterkunft mit Dach und Wänden; viele müssen draußen in den Wäldern in der Nähe von Sebta hausen, einem spanischen Stützpunkt an der marokkanischen Küste. Im Oktober 2005 hat die Polizei eine Razzia in diesem Bezirk durchgeführt und die Immigranten brutal vertrieben. Jährlich gibt es deshalb Demonstrationen in Erinnerung an die gewaltsam vertriebenen Menschen.
Ich bin hier als Freiwillige mit World Unite! und helfe der marokkanischen Organisation Chabaka, die sich mit der Situation der Immigranten beschäftigt. Chabaka organisiert nicht nur die jährlichen Demonstrationen in Sebta, sondern arbeitet mit vielen anderen NGOs an politischen sowie bildungsfördernden Projekten.
Ich habe Wochen im Dialog mit den Migranten verbracht – habe mit Männern, Frauen und Kindern, wie zum Beispiel Jordans Familie gesprochen, und ich habe einige haarsträubende Geschichten zu hören bekommen. Nein, sie seien nicht in Marokko, um Abenteuer zu erleben oder weil eine Laune sie hergetrieben hat. Sie sind in Marokko, weil sie ihre Familien nicht ernähren konnten oder weil sie in ihrem eigenen Heimatland nicht sicher waren. Sie sind in Marokko, weil sie in ihrem eigenen Land keine Möglichkeit zum Bleiben sehen.Und jetzt, nach allem was sie durchgemacht haben, welches sind die Aussichten? Weiter nach Europa? Nun, das ist das, wovon alle träumen. Die Frage ist: wird es so sein, wie sie es sich in ihren Träumen erhoffen? So ist es sehr gut möglich, dass sie nur sehr schlecht bezahlte, illegale Jobs finden und gerade so überleben können. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und sie erreichen ein besseres Leben. In Marokko bleiben? Wieso nicht, wenn es die Möglichkeit für ein anständiges Leben bedeutet. Marokko würde dabei nicht schlecht fahren: die meisten Immigranten sind gebildet, sprechen mehrere Sprachen und sind daher fähige Leute, die durchaus gewillt sind, hart für ein besseres Leben zu arbeiten.
Zurückkehren ins Heimatland? Wer kann es den jungen Menschen verübeln, dass sie versuchen, eine bessere Zukunft anderswo zu finden – bei Heimatländern, die zerrüttet sind von Korruption, Armut und unfähigen Staatsführern. Und wie kannst Du mit leeren Händen zurückkehren, nachdem mit Deiner gesamten Hoffnung und Träumen ausgezogen bist? Vor allem: wovon würdest Du dann dort wiederum leben? Die Situation hat sich schließlich nicht verbessert. Später, ja, wenn sich Hoffnungen erfüllt und genug Geld vorhanden ist, um ganz zurückkehren zu können – der Großteil würde es in Erwägung ziehen.
Es gibt einen einzigen Motor, der alle Migranten antreibt: der Wunsch, ein anständiges Leben in Sicherheit führen zu können. Dies ist ein ureigener menschlicher Trieb, der die gesamte Menschheit seit jeher erhält – wer kann den Immigranten diesen Wunsch also verübeln?
The situation of Sub-Saharans in Oujda (von Iris)
Oujda, a town close to the Algerian border, has a bit more than half a million inhabitants and is basically known for its university. Since 1999, this city became a transit destination for migrants from Sub-Saharan Africa after passing the Algerian desert. The Algerian border is about 15 kilometers from the city. The border has been officially closed since 1994. The Sub-Saharans live in the forests nearby Oujda in so-called “tranquillos”. Tranquillos are camps and homes made of plastic and other scavenged materials. In each tranquillo there are 20 to 30 people, some of them just arrived, some of them living there for years. Their only source of income is begging. The equipment ranges from simple cooking facilities, TVs, blankets, clothes etc. to others who have nothing but the plastic above their head and the clothes on their body. Sometimes they construct simple churches.
Every 3 to 4 weeks the Moroccan police raid their camps at 4 or 5 in the morning. They take everything they find, including mobiles, TVs, money. What is of no value to them such as clothes, churches, plastics, food etc. gets burned or destroyed. There have been reports about cases of rape. Those migrants who are lucky can manage to escape. The others are being arrested by police and get deported to the Algerian desert, without money, food or water.
The Sub-Saharans are considered illegal and no rights are being granted to them. Instead of a lawsuit, they are being departed over night.
However, not only the Moroccan government is to blame for this situation, as pressure seems to come from the European Union. The program Meda (“Mésures d’accompagnement financières et techniques”) provides funds to the State of Morocco to “foster a better management of migratory flows”. The restrictive immigration policy of the EU seems to intensify the situation in Morocco, making the Moroccan state adopting a harder line on that issue.
The association ABCDS (l’association Beni Znassen pour la culture, le développement et la solidarité) is a non-governmental organisation founded in 2005, based in Oujda, Morocco. Their vision is to change the immigration policy of Morocco and of the European Union. Their most important aspect is to ensure human rights to the migrants in Morocco. To achieve their goal, they cooperate with international human rights organizations and plan to create an influential national council to work on immigration issues.
At the moment, ABCDS provides humanitarian aid: they collect and distribute clothes and food, denounce violations of human rights, provide lawyers and English translation for tribunals, and provide health care in urgent cases. Further, they do communications and PR with the goal to sensitize a wider public about the issue on a world-wide level. Their biggest obstacle is lack of finance.
Fallstudie von unserem Teilnehmer Vincent:
Migration at Europe’s frontiers - the account of Karim Keita (PDF, 908 kb)
Linksammlung:
* The desert front - EU refugee camps in North Africa?
* Human Rights on the southern frontier 2009 (PDF)
* Médecins Sans Frontières - VIOLENCE and IMMIGRATION; Report on illegal sub-Saharan immigrants (ISSs) in Morocco (PDF)
* Sexual Violence and Migration - The hidden reality of Sub-Saharan women trapped in Morocco en route to Europe (PDF)
* Europe’s murderous borders (Migreurop 2009)
* Guerre aux migrants - Le livre noir de Ceuta et Melilla (PDF)
* Bericht zu dem Thema (PDF) von Omid Nouripour, Mitglied des Bundestages
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