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MGM Hospital New Bombay
Dr. Rakesh Ghildiyal mit unserer Betreuerin Sudipta und 2 Psychologiestudentinnen
MGM Hospital New Bombay
 
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Avalon Heights international school
 
Avalon Heights:
Avalon Heights international school
 
Avalon Heights international school
 
Avalon Heights international school
 
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Dr. Reena Bhansali:
Dr. Reena Bhansali
 
Dr. S.D. Singh:
Dr. Singh
 
Dr. Singh
 
Dr. Singh
 
Psychologie/Psychiatrie/Psychotherapie-Praktika in Indien

In Indien können wir verschiede Praktika für Studierende aus den Bereichen Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie anbieten. Die Einsätze in Navi Mumbai lassen sich auch kombinieren.

MGM Krankenhäuser Navi Mumbai

Die drei Krankenhäuser von MGM (Mahatma Gandhi Mission) in Navi Mumbai mit den Standorten Vashi, Kalamboli und Kamothe haben alle psychiatrische Abteilungen.

Der Leiter dieser Einrichtungen ist der Psychiater Dr. Rakesh Ghildiyal, dort arbeiten auch Psychologen unter der Leitung der klinischen Psychologin Neelanjana Mathur.

Du wirst als Praktikant/in in einer der drei Kliniken eingesetzt und kannst die Behandlungsweisen kennenlernen. Du wirst bei den Patientengesprächen (bei denen in Indien meist die gesamte Großfamilie mit dabei sitzt) dabei sein und bekommst Erklärungen, sollte die Behandlung nicht auf Englisch durchgeführt werden.

Psychotherapie hat in Indien noch nicht den Status wie im Westen. Wie in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern wird bei der Behandlung seelischer Erkrankungen der Hauptvermerk auf Psychopharmakologie gelegt.

Anhand der Rückmeldung bisheriger Teilnehmer ist es bei MGM Navi Mumbai zudem nötig, aktiv zu sein und auf die indischen Mitarbeiter zuzugehen, selbst die Akten der Patienten durchzulesen und nachzufragen. Bitte lies Dir den Praktikumsbereicht von Anna am Ende dieser Seite durch.

Dr. Rakesh Ghildiyal, der zugleich auch Direktor der psychiatrischen Gesellschaft von Mumbai ist, hat den Nutzen der Einbeziehung der Psychotherapie erkannt und unterstützt diese entsprechend.

Neben seiner Tätigkeit bei MGM betreibt er auch noch abends und am Wochenende seine eigene private Praxis am Vashi Plaza. Bei Interesse kannst Du auch dort ihn begleiten. Außerdem kannst Du die klinischen Psychologinnen begleiten bei der kinderpsychologischen Sprechstunde und bei der Betreuung von Bewohnern eines Altersheimes.

Am Ende dieser Seite ein ausführlicher Praktikumsbereicht von Anna.

ACE Academy for Counseling and Education Navi Mumbai

Psychologie-Praktika sind auch möglich in den Einrichtungen von ACE (Academy for Counseling & Education). ACE ist eine seit 17 Jahren existierende Behandlungsmethode, die von der klinischen Psychologin Ms. Salma Prabhu entwickelt wurde. Seit dem Start wurden über 75.000 Personen bei ACE beraten. Dabei fokussiert ACE auf die Bereiche Karriereberatung, Heilerziehung, psychologische Beratung für Privatpersonen sowie Unternehmen sowie Training und Intervention im Personalwesen. ACE ist auch ein authorisierter Trainingspartner für Pearson Clinical Assessments.

The Ideologie von ACE entwickelte sich aus der Beobachtung von Salma Prabhu in den 1990-er-Jahren, dass durch gesellschaftliche Verändererungen in Indien viele Leute Schwierigkeiten bekamen, gesellschaftliches Leben, Karriere und sozialen Status zu bewältigen. Daraus entwickelte sie ACE, dessen Ziel es ist, die Zufriedenheit der Menschen im Leben zu steigern.

Salma Prabhu ist eine in ganz Indien bekannte Psychologin, die in Mumbai und Navi Mumbai 5 ACE-Zentren betreibt, in denen weitere Psychologen angestellt sind und die 7 Tage pro Woche geöffnet sind. Salma schreibt regelmäßig Kolumnen für führende Zeitungen in Indien wie Mumbai Mirror, Times of India und DNA und hat zahlreiche Psychologie-Bücher sowie ein Audio-CD veröffentlicht. Sie hat für das TATA Institut für Sozialwissenschaften das M.A.-Programm in Counseling entwickelt und ist dort auch als Dozentin tätig, sowie für SIES Mumbai das Postgraduate Programm "Guidance and Counseling". Auf Saam TV ist sie jeden Freitag um 16 Uhr als Fernsehpsychologin tätig, im Programm rufen Bürger an und lassen sich beraten, hauptsächlich zu Themen wie Eltern-Kind-Beziehung, Positives Denken, Zeitmanagement, Stressmanagement.  

Die Dienste, die ACE anbietet sind "Young ACE", bei dem Kinder einen Assessment-Test durchführen (ICL - Integrated Career Logic), der Auskunft darüber erteilt, für welchen Beruf das Kind sich eignet. Bereits 50000 Kinder haben diesen Test bei ACE abgelegt.

"ACE Therapist" richtet sich an Kinder, die an Mangel an Konzentration, Tagträumerei, Lernschwäche, Faulheit, Rechtschreibeschwäche und Mangel an Motivation leiden. Dabei werden die Schwächen identifiert und an ihnen gearbeitet; auch Eltern und Lehrer werden dabei einbezogen.

"ACE Personal" beinhaltet persönliche psychologische Beratungen inkl. Eltern-Kind-Beziehung, Eheprobleme, IQ-Test, Verhaltensauffälligkeiten, Persönlichkeits-Assessments wie 16PF, MBTO, FIRO-B usw.

"ACE Training" gibt Eltern und Lehrern Hilfe in Erziehung; besondere Schwerpunkte beinhalten Heilerziehung, Karriereberatung, Führung & Beratung. ACE ist ein authorisiertes Trainingszentrum für Pearson Clinical Assessments, dabei werden Workshops zu durchgeführt zu Wechsler Serien, Dyslexia Screening, BAYLEY and Vineland Adaptive Behavioural Scale II.

"ACE HR" richtet sich an Unternehmenskunden und berät diese in den Bereichen Organisationspsychologie, Recruitment, Mitarbeiterbindung, PMS, Assessment-Based Competency Mapping, Leadership Development und Konfliktmanagement/Team-Dynamik.

Praktikanten können bei ACE-Sitzungen dabei sein. Wir erhalten durchgängig sehr positive Rückmeldungen über Praktika bei ACE.

Avalon Heights International School Navi Mumbai

Neben dem Praktikum in den Krankenhäusern kannst Du auch mindestens zweimal wöchentlich nachmittags in die private Avalon Heights International School. Hier gibt es ein Programm, das Schüler, die Schwierigkeiten haben, psychologisch unterstützt. Zwei Psychologen arbeiten an der Schule und haben verschiedene Kleingruppen für Kinder mit Problemen wie ADHS gebildet. Du kannst eigenständig eine dieser Gruppen übernehmen und mit den Schülern Aktivitäten durchführen. Der gesamte Unterricht an dieser Schule findet auf Englisch statt.

Psychologie-Praktikum mit Dr. Reena Bhansali - Jodhpur

Es ist möglich, ein betreutes Psychologie-Praktikum mit Dr. Reena Bhansali in Jodhpur durchzuführen.

Dr. Reena Bhansali ist eine enge Vertraute von Sambhali Trust, einer NGO, die in Jodhpur und Setrawa tätig ist und das Ziel hat, die Position von unterpriviligierten Frauen und Mädchen in der Gesellschaft von Rajasthan zu stärken. Viele dieser Frauen gehören zur Kaste der "Untouchables". Einige Programme von Sambhali Trust erfolgen in Zusammenarbeit mit dem Department of Social Welfare und beschäftigen sich etwa mit Mädchen aus zerrütteten Familienverhältnissen und sexuellem Missbrauch.

Daneben betreibt Dr. Bhansali ihre eigene Praxis "Smile Junction", in der sie allgemeine psychologische Beratung anbietet und sich zudem auf Kinder mit Lernschwäche spezialisiert. Sie hat einen PhD als Counseling Psychologist, einen MSc in Human Development sowie ein Diplom in Kriminalpsychologie.

Psychologiestudierende können in allen Bereichen von Sambhali Trust mitarbeiten; die hier detailliert vorgestellt sind. Dabei bekommen sie von Dr. Reena Bhansali eine Einführung in die Thematik aus dem psychologischen Blickwinkel und eine tägliche Praktikumsbetreuung für 2 Stunden nachmittags.

Aus Gründen der Privatsphäre können Praktikanten nicht bei den Patientengesprächen in der Privatpraxis dabei sein, aber Dr. Bhansali bespricht die Fälle mit Praktikanten innerhalb der täglichen 2 Stunden Betreuungszeit und gibt interessante Aufgaben.

Für die Betreuung von Dr. Bhansali fällt ein Beitrag an, der von der Dauer des Praktikums abhängt (siehe unten). Zusätzlich fallen tägliche Transportkosten (Autorickshaw) von 140 Rupees an (ca. 1,65 EUR); zur Praxis von Dr. Bhansali und zurück.  

Hier ein Kommentar von Praktikantin Sonja:

"
Ich mache 50% Praktikum mit Dr. Bhansali und verbringe die restliche Zeit als Freiwillige bei den verschiedenen Projekten von Sambhali Trust. Es gibt dort eine Menge Artbeit für Psychologen und Dr. Bhansali gibt mir gute Hinweise, wie ich die besonderen Belange der Kinder und Frauen in den Projekten ansprechen kann. Ich arbeite bei Sambhali auch im "No Bad Touch"-Projekt, einer Vorbeugungskampagne zum Thema Kindesmissbrauch. Diese Tätigkeiten sind genug für einen normalen 8 stündigen Arbeitstag.

In ihrer Praxis behandelt Dr. Bhansali Kinder mit Lernschwäche und berät auch private Patienten, die verschiedene psychologische Probleme haben. Praktikanten können nicht bei den Therapiesitzungen dabei sein, da dies gegen die Richtlinien der Privatssphäre der Praxis verstößt, aber sie bespricht die Fälle mit dem Praktikanten und stellt interessante Aufgaben. Ich mache dieses Praktikum zurzeit und empfehle es besonders Psychologiestudierenden, die die Arbeit einer Psychologin in einer Privatpraxis in Indien kennenlernen wollen. Es war sehr inspirierende für mich, Dr. Bhansali kennenzulernen und mir gefällt der professionelle und kulturelle Austausch mit ihr sehr gut. Das Praktikum ist weniger geeignet für Praktikanten, die ihr Praktikum besonders im Bereich der klinischen Psychologie durchführen wollen (diese sollten besser in ein psychiatrisches Krankenhaus).

Ich gewinne hier wertvolle Arbeitserfahrung und ich bin sehr dankbar, dieses Praktikum bei Sambhali gefunden zu haben. Ich hoffe, dass es zukünftig weiteren Psychologiepraktikanten möglich ist, dieselben Erfahrungen machen zu können, dank der Unterstützung von World Unite. Ganz herzliche Grüsse und vielen Dank für die Vermittlung an diese wunderbare Organisation.

"

Praktikum mit Psychiater Dr. Singh in Cochin/Kerala

Dr. Singh, der etwa 65 Jahre alt ist, ist Psychiater und Spezialist für Drogenentzug. Er arbeitet an verschiedenen Wochentagen an drei verschiedenen Krankenhäusern in Cochin, nämlich KIMS Hospital, Sudheendra Medical Mission und Gautham Hospital. Seine eigene Klinik hat er 2012 aus Altersgründen aufgegeben.

Dr. Singh spezialisiert sich auf allgemeine Psychiatrie, Personen mit Suizidversuch, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, sowie mentale Gesundheit von Jugendlichen. Dr. Singh war Gründungsmitglied der International Society of Addicion Medicine (ISAM) in Kalifornien 1998. Er hat viele Veröffentlichungen zum Thema Abhängigkeit gemacht und ein 4-Stufen-Programm zum Alkoholentzug entwickelt, zu dem er ein Buch geschrieben hat. 

Praktikanten können ihn in die Krankenhäuser begleiten; dort gibt es auch Gruppentherapien für Abhängige. Zudem möchte Dr. Singh Kontakt herstellen zwischen ehemaligen Patienten und Praktikanten und diesen Einblick in ihre Krankheitsgeschichte geben. Diese können die ehemaligen Patienten dann  zuhause besuchen und herausfinden, wie ihr Zustand ist. Eventuell sind sie weiter therapiebedürftig, aber setzen aus verschiedenen Gründen die Therapie nicht fort. Oft begeben sich Patienten nur in Therapie bei bestimmten Umständen wie Job-Verlust oder Scheidung aufgrund ihrer Sucht. In Gesprächen mit Dr. Singh wird dann das weitere Vorgehen besprochen.  

Des weiteren hat Dr. Singh im Jahr 2000 eine Studie durchgeführt, bei der 10000 Jugendliche in 16 Schulen von Cochin einen Fragebogen ausfüllten. Darin wurde gefragt, ob sie jemals sexuell, körperlich oder mental belästigt wurden und ob dies zuhause, in der Schule oder in der Öffentlichkeit erfolgte. Dies wurde doppelblind durchgeführt, ohne dass es vorher angekündigt wurde und ohne die Anwesenheit des Lehrers. Dazu wurde für jede Klasse ein Schüler trainiert, um dies mit seinen Klassenkollegen durchzuführen. Das Training des Schülers dauerte 30 Minuten; das Ausfüllen des Fragebogens in der Klasse 10 Minuten. Dr. Singh möchte diese Befragung wiederholen und die Ergebnisse mit der ersten Befragung vergleichen. Dazu müssen die Schüler trainiert werden sowie die gesamte Aktion organisiert werden und die Bögen danach ausgewertet werden. Dies soll 2014 mithilfe von ausländischen Praktikanten/Freiwilligen erfolgen. 

In Kerala ist Englisch als Sprache weit verbreitet, was die Kommunikation mit Patienten vereinfacht.  


Infobox:

Ort: Navi Mumbai, Jodhpur, Cochin (siehe Text)

Dauer: Navi Mumbai: mind. 2 Wochen; Sambhali: mind. 2 Monate; Cochin mind. 1 Monat

Kenntnisse erforderlich: passendes Studium oder Abschluss

Kosten: Navi Mumbai: Sorgenfreipaket (500 €) obligatorisch. Für das Praktikum bei den MGM Krankenhäusern fällt zudem ein Beitrag an, der direkt ans Krankenhaus zu bezahlen ist. Dieser beträgt -31 days – 200 USD; 32-90 days – 300 USD; 91-180 days – 500 USD; 181-365 days – 1000 USD.

Für ACE fällt ein Beitrag in Höhe von 5000 Rupees + ca. 700 Rupees Steuern (insgesamt ca. 70 €) pro angefangenem Monat an.

Für Avalon Heights fallen keine Beiträge an. Es ist auch möglich, einen Vollzeiteinsatz nur bei Avalon Heights zu machen.

Jodhpur und Cochin: Sorgenfreipaket 300 € für bis zu 90 Tage; 500 € für mehr als 90 Tage, Beitrag an Dr. Bhasali: 6000 Rupees für 2 Monate; 10.000 Rupees für 3-4 Monate; 14.000 Rupees für 5-6 Monate, kein Beitrag für Dr. Singh.

Unterbringung: Nicht beinhaltet

Verpflegung: Nicht beinhaltet

Inklusive: Vermittlung; bei Abschluss des Sorgenfreipakets gesamter Leistungsumfang des Sorgenfreipakets

Nicht inklusive: Anreise nach Indien, Krankenversicherung, Visum, Arbeitserlaubnis

Jetzt direkt anmelden/Interesse bekunden


Psychiatrische Abteilung des MGM Hospital Kamothe, Navi Mumbai, Indien

Klinisches Praktikum, 06.08.2012-05.09.2012

Praktikumsbericht

1. Informationen über die Praktikumseinrichtung

1.1 Allgemeines zum Krankenhaus

Das MGM Hospital Kamothe gehört zur Mahatma Ghandi Mission. Es versorgt zum Teil Privatpatienten, bietet bei Nachweis von Bedürftigkeit den jeweiligen Betroffenen jedoch auch eine kostenfreie Behandlung an. Refinanziert wird jene unter anderem durch das angeschlossene Medical College, dessen Studenten wiederum im Krankenhaus erste praktische Erfahrungen sammeln dürfen. Die Psychiatrie, in der ich mein Praktikum absolvierte, stellt eine von vielen Abteilungen dieses Krankenhauses dar.

1.2 MitarbeiterInnen

MitarbeiterInnen der Psychiatrie sind: Dr. Rakesh Ghildiyal (Professor und HOD, Head of the Department), Dr. Shaunak Ajinkya (Professor), Dr. Darpan Kaur (Assistant Professor), Dr. Asma Manzoor (Chief Resident), Dr. Junaid Nabi (Senior Resident) und Dr. Swati Mittal (Junior Resident); sie alle haben Medizin studiert und sich auf die Psychiatrie spezialisiert bzw. befinden sich gerade noch in dieser Zusatzausbildung. Weiterhin sind zwei klinische Psychologinnen angestellt: Vaishali Shelar und Pushplata Debsikdar, sowie natürlich Pflegepersonal.

Neben den der Psychiatrie zugewiesenen PatientInnen übernimmt die Abteilung auch die psychologische Betreuung in dieser Hinsicht behandlungsbedürftiger PatientInnen anderer Abteilungen. Teils handelt es sich, wie bereits angedeutet, um selbst zahlende Patienten, teils um solche, die nach Nachweis ihrer Bedürftigkeit eine kostenlose Behandlung erhalten. Letztere stammen meist aus den Vororten Navi Mumbais oder sogar entlegeneren Dörfern der Region. Die klinische Psychologin Pushplata Debsikdar übernimmt zudem zweimal wöchentlich die kinderpsychologische Sprechstunde im Krankenhaus MGM Kalamboli und Vaishali Shelar die psychologische Betreuung der BewohnerInnen eines Altenheims in Kamothe.

Neben der Betreuung der ambulanten sowie stationären Patienten in Einzelgesprächen findet täglich eine Gruppentherapiesitzung für eine jeweils andere Zielgruppe statt: Montags Alkohol, Dienstag Kinderpsychiatrie, Mittwoch Demenz, Donnerstag Suizid, Freitag Psychosomatische und Angststörungen, Samstag Schizophrenie. An diesen Sitzungen dürfen ambulante wie stationäre PatientInnen partizipieren.

2. Tätigkeitsbeschreibung

Das Verständnis eines Praktikums in Indien ganz allgemein ist folgendermaßen: Sofern man sein Studium nicht bereits abgeschlossen hat, darf man in erster Linie beobachtend an den Geschehnissen teilhaben und seltener Aufgabenbereiche selbst übernehmen.

Als Praktikantin in der psychiatrischen Abteilung des MGM Hospital Kamothe nun durfte ich an Einzel- und Gruppentherapiesitzungen partizipieren, in welchen sich Elemente der Psychoanalyse, Kognitiven Verhaltenstherapie sowie der systemischen Therapie fanden. Im Folgenden führe ich einige Beispiele an:

* Beim Therapieziel Alkoholabstinenz wurden in Rollenspielen Hochrisikosituationen geübt, um Verhaltensalternativen zu erarbeiten (KVT).
* Bei der Psychoedukation wurde den PatientInnen häufig ein auf psychoanalytischen Konzepten basierendes Störungsmodell vermittelt.
* Eine Patientin mit depressiver sowie Angstsymptomatik kam zunächst alleine zur Therapie. Im Laufe der Gespräche stellte sich heraus, dass ihre Problematik im Kontext ihrer Familie betrachtet werden sollte. So zog Vaishali Shelar den Ehemann und die Tochter in weitere Therapiesitzungen mit ein. Die Patientin wurde als Symptomträgerin eines kranken Systems verstanden, und durch Paar- und Familientherapie sollte dieses nun geheilt werden. Gleichzeitig wurde der Patientin aber weiterhin besondere Aufmerksamkeit zuteil, um ihrer Problematik gerecht zu werden, und ihr wurde eine leichte Dosis Psychopharmaka verschrieben. (Systemischer Therapieansatz)

In verschiedenen Therapiegesprächen insbesondere mit Patientinnen wurden immer wieder kulturelle Unterschiede deutlich, welche sich beispielsweise in anderen Formen ehelicher Probleme als bei und zeigten - Depressionen waren häufig die Folge – und anderer Lösungsansätze bedurften als bei uns. Es war für mich entscheidend, die familiären Strukturen Indiens sowie den Stellenwert der Familie zu eruieren, um verschiedene PatientInnen und ihre problematischen Situationen besser verstehen zu können.

Weiterhin bekam ich Einblick in die diagnostischen Prozesse, beispielsweise zur Diagnostik von Mentaler Retardierung bei Kindern und Jugendlichen mittels verschiedener kulturfairer IQ-Tests. Ich hatte zudem die Möglichkeit, im Sinne von Fallstudien den Krankheitsverlauf verschiedener PatientInnen genau zu studieren, insbesondere indem ich Einsicht in Patientenakten bekam, und lernte – wenn auch nur durch Beobachtung - Erstgespräche zur Anamnese zu führen sowie Patientengespräche fachgemäß zu protokollieren.
 
Montags fuhr ich mit Vaishali Shelar in ein Altenheim in Kamothe; das MGM ist für die psychologische Betreuung der BewohnerInnen verantwortlich. Schließlich nahm ich auch an verschiedenen lectures teil: Da es sich beim MGM Kamothe um ein Lehrkrankenhaus handelt, gab es Lehrveranstaltungen in Kleingruppen für die CollegestudentInnen sowie die PsychiaterInnen in Ausbildung, in denen verschiedene Störungsbilder sowie Testverfahren vertiefend studiert wurden. Leider hatte ich die meisten Themen bereits im Studium gelernt, sodass die Teilnahme an diesen Stunden für mich bedauerlicherweise oft eher lediglich Wiederholung war, was von den Zuständigen der Abteilung nicht recht verstanden wurde.

An den Wochenenden nutze ich die Möglichkeit, an sogenannten Medical Camps teilzunehmen, die vom Krankenhaus MGM Kalamboli organisiert wurden. Mehrere Ärzte des Krankenhauses fuhren hierbei für einen Tag in ein Krankenhaus in einer entlegeneren Gegend Maharastras und behandeln die dortigen Patienten, primär in dem sie eine Art Sprechstunde abhalten. Hierfür werden viele Medikamente des MGM mitgebracht. Fachlich konnte ich von den Medical Camps nicht direkt profitieren, weil keine Psychiater an ihnen beteiligt waren. Aber ich konnte so einen weiteren Aspekt des indischen Gesundheitssystems kennenlernen und mit Menschen in ländlichen Regionen in Kontakt kommen, weshalb ich diese Tage dennoch sehr interessant fand. Außerdem konnte ich nebenher mein gewisses medizinisches Grundwissen erweitern.

3. Resümee

Mein Praktikum betrachte ich als eine sehr wertvolle Erfahrung in mehrfacher Hinsicht:  

Eines meiner Ziele bezüglich des Praktikums war es, zu erfahren, mit welchen etwaigen Problemen man bei der klinisch-psychologischen Arbeit in anderen Kulturen konfrontiert werden kann. In Bezug auf Indien kann ich nun sagen, dass es insofern problematisch ist, dort als klinische Psychologin oder Psychotherapeutin zu arbeiten, als dass die Menschen dort Psychotherapie kaum als Verfahren zur Heilung anerkennen, sondern stattdessen das Festhalten an eine medikamentöse Behandlung noch viel stärker ausgeprägt ist als bei uns. Weiterhin ist es mir begegnet, dass der Glaube an Geister und allgemein übernatürliche Kräfte, welcher gerade in den ländlichen Regionen Indiens stark verbreitet ist, in manchen Fällen die Behandlung von Patienten erschwert: So lernte ich beispielsweise eine schizophrene Patientin kennen, deren psychiatrische Behandlung von der Familie unterbunden wurde – mit der Begründung, dass sie nicht krank sein, sondern ihr Zustand von übernatürlichen Kräften herbeigeführt worden sei, die positiv zu beeinflussen es nun gelte. Zudem entsprach der Wissensstand der in PsychiaterInnen und Psychologinnen, mit denen ich arbeitete, nicht in allen Gebieten dem, was ich im Studium lerne. Hiermit umzugehen war auch etwas, das ich während meines Praktikums lernen musste und stellt vermutlich eine Situation dar, welcher man in diesem Feld in anderen Ländern, immer mal wieder begegnen kann, auch wenn dies natürlich sehr von den jeweiligen Gegebenheiten abhängt und sich daher keinesfalls verallgemeinern lässt.

Persönlich musste ich mit an eine Facette der Arbeitswelt in Indien anfangs erst gewöhnen: Im Gegensatz zu Deutschland ist die Machtdistanz (nach Hofstede) in Indien sehr groß. Demzufolge ist also die Macht in diesem Land sehr ungleich verteilt, was auch in der psychiatrischen Abteilung bemerkbar war: Anders als ich es bisher in Deutschland kennengelernt hatte, war eine Zusammenarbeit eher auf Augenhöhe nicht möglich. Stattdessen musste ich mich akzeptieren, dass sich diejenigen in höheren Positionen weniger dafür interessierten, was ich wusste und inwiefern ich von dem Praktikum profitieren kann, als dafür, ihre eigene Überlegenheit und ihr eigenes Wissen zur Schau zu stellen. Ich lernte daher schnell, Nachfragen keinesfalls kritisch klingen zu lassen, sondern dass ich mehr erreiche und mehr Informationen erhalte, wenn ich den Personen gegenüber stets meine Unterlegenheit deutlich mache – und auch nur auf diese Weise ein positives Arbeitsklima zu erreichen ist. Ein anschauliches Beispiel für die hohe Machtdistanz ist auch, dass alle dazu verpflichtet waren, zu stehen, wenn der Leiter der Abteilung zugegen war – als Zeichen des Respekts. Auch im Arzt-Patient-Verhältnis waren diese Strukturen stets bemerkbar.

Ein Aspekt der indischen Kultur fiel mir aber auch als recht positiv im Kontext der klinisch-psychologischen Arbeit auf: Die Familie besitzt in Indien noch einen höheren Stellenwert als bei uns, der familiäre Zusammenhalt ist wesentlich größer. Diese soziale Unterstützung stellt einen protektiven Faktor hinsichtlich psychischer Erkrankungen dar. Zudem bedeutet dieser Umstand aber auch, die Familie bei der Planung der Behandlung nicht außer Acht zu lassen, sondern eher mit einzubeziehen und Psychoedukation auch bei ihnen und nicht nur bei den Patienten zu betreiben. Zumindest in den Erstgesprächen sind Familienangehörige sowieso mit anwesend, denn in Indien ist es üblich, dass die Familie von Erkrankten sie bei ihren Arztbesuchen begleitet.
 
Neben dem Fachlichen gab es auch einige andere Dinge, die zu erlebt zu haben ich als große Bereicherung betrachte: Ich wohnte den Monat über in einem sogenannten Paying Guesthouse, in dem mit Ausnahme einer weiteren Praktikantin aus Deutschland nur indische junge Frauen wohnten, die entweder studierten, Praktika absolvierten oder arbeiteten. Ich teilte mir zwei von ihnen mein Zimmer und abends aßen wir oft alle zusammen, denn die Vermieterin kochte täglich. Dies alles bot mir die Möglichkeit, Inderinnen näher kennenzulernen als es bei einer anderen Form der Unterkunft oder beim Bereisen des Landes wohl der Fall gewesen wäre, und einen Eindruck vom normalen indischen Alltag von Menschen meines Alters zu bekommen. Auch erklärten sie mir viele kulturelle Eigenheiten des Landes und ihren Umgang mit jenen. Als Beispiel sei hier das Thema arrangierte Ehe versus Liebesheirat genannt.

Insgesamt betrachte ich dieses Praktikum als eine wirklich wertvolle Erfahrung, in fachlicher wie auch persönlich Hinsicht, von der ich sicherlich in Zukunft profitieren werde. Der Bereich Klinische Psychologie interessiert mich auch weiterhin sehr. Während meiner Studienzeit würde ich gerne noch ein weiteres Praktikum im klinischen Bereich absolvieren, dann aber in Deutschland, um eine wirklich adäquate Vergleichsmöglichkeit zu erhalten und zudem natürlich auch Einblick in das Administrative des deutschen Gesundheitssystems zu bekommen. Mein Fachbereich bietet leider keine Lehrveranstaltungen in die thematische Richtung des internationalen Arbeitens bzw. Arbeitens in Entwicklungsländern an, sonst würde ich solche sehr gerne besuchen. Ich werde also zukünftig einfach weiterhin darauf Acht geben, ob nicht doch einmal die Möglichkeit bestünde, an solchen teilzunehmen.